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Bergsteigen, Klettersteig

Vom Für und Wider des Klettersteigs

24. Juni 2009   |   Autor/ in:


Sich ganz ohne Gefahr im alpinen Gelände bewegen: das versprechen Klettersteige. Zu hunderten entstehen in ganz Europa seit den 70er Jahren neue Klettersteige. Dabei handelt es sich um so genannte Sportklettersteige, bei denen die Bewegung an sich und die Freude am Klettern (Plaisir) zum Selbstzweck ernannt wurden. Doch ist das Gehen am Klettersteig wirklich so ungefährlich, wie es scheint? Und wie stark wird die Umwelt durch den Klettersteig-Boom beeinträchtigt?

Dazu sprach Redakteurin Caroline Opp mit Axel Jentzsch-Rabl, dem Autor zahlreicher Klettersteigführer und Geschäftsführer des Alpinverlages (www.alpinverlag.at)

Denken Sie, dass die Entwicklung von Klettersteigen in den letzten Jahren überhand genommen hat?

Das ist von Land zu Land verschieden. In der Schweiz wurde der Bau ja bereits sehr stark reduziert. Auch in Deutschland sind in den letzten Jahren nur wenige alpine Klettersteige hinzugekommen. Einzig in Österreich wurde der Bau verstärkt: die Seilbahngesellschaften und Tourismusämter forcieren die Entwicklung aus wirtschaftlichen Interessen.

Ist der Bau eines Klettersteiges ein Eingriff in die Natur?

Das lässt sich wohl kaum leugnen. Wo ein neuer Klettersteig entsteht, werden Flora und Fauna beeinträchtigt und müssen unter Umständen weichen. Doch im Vergleich zu anderen Alpinsportarten wie beispielsweise dem Klettern bieten Klettersteige einen entscheidenden Vorteil: Sie kanalisieren den „Verkehr“. Die Klettersteiggeher werden sich immer auf exakt dem gleichen Pfad durch die Berge bewegen, nämlich entlang des Drahtseils – oft werden beim Zu- und Abstieg auch schon bestehende Wanderwege genutzt. Beim Klettern und Bergsteigen dagegen kann es schon passieren, dass Zu- und Abstieg jenseits der Wege stattfinden.

Warum gibt es keine Bestimmungen und Auflagen für den Bau von Klettersteigen?

In der Schweiz gibt es ja bereits das Moratorium von Engelberg. (Anm. der Redaktion: siehe Infokasten) Auch die Österreicher sind meines Wissens an der Entwicklung eines Regelwerkes für den Klettersteigbau in Tirol. Wichtig ist, dass neben umwelttechnischen Auflagen auch Normen für die Sicherheit eines Steiges geschaffen werden. Eine zertifizierte und einheitliche Vorgabe würde den Sport etwas sicherer machen.

Werden durch Klettersteige auch unerfahrene Leute in die Berge gelockt, die dort eigentlich nichts verloren haben?

Möglich ist das schon. Denn die Tatsache, dass ich mich entlang eines dicken Stahlseils bewege, täuscht eine Sicherheit vor, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Ein Sturz in dieses Stahlseil ist meist viel schmerzhafter als in ein elastisches Kletterseil. Dass durch die Klettersteige aber konditionsschwache Menschen angezogen werden, die der sportlichen Herausforderung nicht gewachsen sind, kommt wohl vor. Die Klettersteiggeher informieren sich in der Regel sehr gut vor ihrer Tour. Die meisten Klettersteiggeher bewegen sich auch sonst gerne in ihrer Freizeit und weisen deshalb eine gewisse Trittsicherheit auf.

Ihr persönlicher Lieblings-Klettersteig (und warum)?

Mir persönlich gefällt z.B. der Hochthron Klettersteig am Berchtesgadener Hochthron sehr gut. Dieser Klettersteig ist ein perfekter Mix aus sportlicher Betätigung in der Vertikalen und landschaftlichem Erlebnis beim Zu- und Abstieg.

    Info: Die Charta von Engelberg – Schweizer gehen mit gutem Beispiel voran.
    Nach immerwährendem Konflikt gelang es 2005 in der Schweiz, Beiligte und Betroffene aus Politik, Tourismus, Sport und Naturschutz an einen Tisch zu bringen. Die so entstandene Charta soll als Richtschnur und dringende Empfehlung für den Bau neuer Anlagen betrachtet werden.

    Sie besagt, dass es «ein Nebeneinander von technisch erschlossenen und nicht erschlossenen Gebieten in den Alpen braucht. Die Errichtung von neuen Klettersteigen soll sich deshalb innerhalb gewisser Grenzen bewegen». Neben dem Hinweis, dass Klettersteige bewilligungspflichtige Anlagen sind, empfiehlt die Charta, dass die Anlagen nur in Gebieten mit bereits vorhandenen touristischen Infrastrukturen und nicht im unerschlossenen Hochgebirge errichtet werden sollen. Quelle: www.raonline.ch


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1 Kommentar »

  • Ralf S. sagt:

    hi caro, habe gar nicht gewusst, dass du hier als autor tätig bist… viele grüße und meld dich mal wieder!
    Ralf - via-ferrata.de