Deutschland

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Rhein-Main-Gebiet

5,7 Millionen Einwohner leben in der Metropolregion

Fitness- und Gesundheits-Anlagen

4,8 Milliarden EURO Umsatz p.a.

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Autor-Archiv %s Caroline Opp

Outdoor 2009: what’s new, what’s hot

Wir haben uns vergangene Woche auf der European Outdoor, der Leitmesse der Outdoorbranche in Friedrichshafen, umgesehen und die aktuellen Trends aufgespürt. Derer gibt es übrigens viele: 200 Weltpremieren gab es zu sehen, die Messe verzeichnete sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Fachbesuchern ein signifikantes Wachstum. Die allgemeine Stimmung ist positiv: „Outdoor ist in“, verkünden die Veranstalter – von Krise keine Spur.

1. Klettern

Der ELIA-Helm von Petzl ist Gewinner des Outdoor Industry Awards 2009. Es handelt sich hierbei um den ersten Sportkletterhelm, der speziell für Frauen entwickelt wurde. Er zeichnet sich daher durch ein geringes Gewicht und eine kleine Passform aus (Kompfumfang 52-58 cm). Außerdem befand die Jury, dass frau mit dem Helm auch noch gut aussieht und die Frisur drei-wetter-taft-mäßig keinen Schaden nimmt. Wenn das kein Argument ist!

2. Bergsport

Ebenfalls stolzer Gewinner eines Outdoor Awards ist das neuartige Klettersteigset „Skyrider“ von Skylotec. Geschäftsführer Kai Rinklake erläutert das neuartige Prinzip im Video.

Wer an einem Klettersteig mit einem herkömmlichen Sicherungsset stürzt, muss je nach Höhe über der letzten Seilverankerung durchaus mit ein paar Metern Sturzhöhe rechnen. Die neuartige Seilbremse des Skyrider dagegen bremst bereits am Seil, die Verletzungsgefahr verringert sich dadurch erheblich.

Black Diamond Contact: Das Contact ist ein neuartiges 10-Zacken-Steigeisen aus rostfreiem Stahl mit neu konzipierter Geometrie (steifere Rahmenform). So ist es sehr leicht und widerstandsfähig. Außerdem bleiben die Zacken länger scharf, Stollenbildung wird minimiert. Der ideale Begleiter für das Eiswandern am Gletscher.

3. Bekleidung

Monkee: Das kleine, aber feine Label hat seine Kollektion für 2010 um viele farbenfrohe Stücke erweitert. Gegründet von passionierten Boulderern für ebensolche, wendet sich monkee an alle Boulderer, Kletterer und Neo Hippies, die – nebem coolem Design und Style – Wert auf nachhaltig produzierte Bekleidung legen. Durchgehendes Designelement in der neuen Kollektion sind Pfeile: sie stehen für die Bewegungsrichtung beim Klettern (dem sogenannten „vertikalen Catwalk“).

Der Menthol-Kick für den Sommer: ein neues Kaubonbon? Oder ein Duschgel? Nein, bei SKINS, einem australischen Hersteller von Kompressionsbekleidung, wird das Menthol in Funktionsunterwäsche eingewebt (SKINS ICE): unsichtbare Mikrokapseln sind mit hochkonzentriertem Menthol gefüllt. Durch Bewegung und Wärme wird der Wirkstoff freigesetzt und sorgt für einen Kühl-Kick auf der Haut. Denn Menthol stimuliert spezielle Thermo-Rezeptoren, die einen Kälteimpuls an das Gehirn weiterleiten und so ein angenehmes, frisches Gefühl auf der Haut vermitteln, ohne dass die Muskeln tatsächlich auskühlen. Besser riechen tut’s auch: Wäsche, die mitdenkt.

4. Anderes

Black Diamond stellte auf der Messe eine neue Stirnlampe vor: die „Sprinter“ ist eine aufladbare LED-Lampe mit Lithium-Polymerakku. Dieser lässt sich – wie ein iPod – mittels Aufladestation wieder beladen. Zudem ist die Lampe mit 100 Gramm Gewicht ein echtes Leichtgewicht und leuchtet bis zu 50 Meter weit und 30 Stunden lang.

Hardware-Spezialist AustriAlpin wird der wachsenden Nachfrage nach einfach zu spannenden Slack- und Longlines gerecht: Der neue Slackline-Systemflaschenzug ermöglicht es, auch längere Slacklines (bis 30 Meter) ganz einfach und ganz ohne Kraftaufwand zu spannen. Es handelt sich dabei um ein Set aus zwei Teilen mit einem 7m-Band. Das Set lässt sich zudem um Einzelteile erweitern: so können auch längere Lines (in beliebiger Länge) gespannt werden. Die zusätzlichen Teile hierfür kann man auch einzeln erwerben.

Flaschenzug Austrialpin

Slackline Flaschenzug von AustriAlpin

Ausrüstungsberater Klettern

Kletterer – schon lange sind das nicht mehr nur die „Verrückten“ mit den langen Haaren und den dicken Unterarmen, die sich durch die Bergwelt hangeln. Mit dem Kletterhallenboom, der Anfang der 90er Jahre einsetzte und bis heute ungebremst ist, wandelte sich der Sport zu einer massentauglichen Freizeitbeschäftigung. Rund 400 Hallen gibt es derzeit in Deutschland, Indoor-Klettern erweist sich als echte Alternative zum Fitnessstudio und seinen Maschinen: Klettern trainiert den Körper auf ganzheitliche und spielerische Weise. Darüber hinaus ist es ein sehr sozialer Sport, der nur zu zweit oder in Gruppen ausgeübt werden kann.

Wer das Klettern für sich entdeckt und in der Halle trainieren möchte, kommt zunächst mit einer überschaubaren Grundausrüstung aus: Schuhe, Gurt und Sicherungsgerät.

1. Schuhe

Auch wenn jede Halle Kletterschuhe in allen gängigen Größen verleiht, ist ein eigenes Paar einfach hygienischer und passt sich durch regelmäßiges Tragen optimal dem Fuß an. Beim Kauf sollte man vor allem auf die folgenden Kriterien achten:

  • Das wichtigste ist die Passform. Darum sollte man viel Zeit für den Kauf mitbringen, sich ausführlich beraten lassen und verschiedene Modelle anprobieren. Der Schuh muss eng sitzen (die Zehen müssen vorne anstossen). Wie eng der Schuh sitzt, sollte jeder individuell entscheiden, gerade bei Anfängern in der Halle ist eine zu knappe Passform, bei der die Zehen gekrümmt werden, nicht erforderlich.
  • Der Verschluss: Schnürschuhe können genauer an den Fuß angepasst werden, Schuhe mit Klettverschluss lassen sich schneller an- und ausziehen, was insbesondere bei häufigem Wechsel zwischen Klettern und Sichern in der Halle von Vorteil ist.

2. Gurt

Beim Kauf des Klettergurt gilt:

  • Einfach mal hängen lassen! Wie bequem ein Klettergurt ist, findet man am besten heraus, indem man sich in den Gurt hineinsetzt. Wichtig ist, dass sowohl der Bauchgurt als auch die beiden Beinschlaufen angenehm zu tragen sind.
  • Verschluss wählen: die meisten modernen Gurte verfügen über eine Schnalle, die bereits „zurückgeschlauft“ ist. Der Gurt kann nur enger oder weiter gestellt werden, nicht jedoch geöffnet. Das bietet größtmögliche Sicherheit.
  • Position der Materialschlaufen beachten: Da man fürs Hallenklettern kaum Material benötigt, sind die Materialschlaufen zunächst nicht so wichtig. Wer jedoch später Alpin- oder Eisklettern möchte, sollte Wert darauf legen, dass die Materialschlaufen gut erreichbar und nicht zu weit hinten am Gurt positioniert sind und einen stabilen Eindruck machen.

3. Sicherungsgerät

Ob HMS, Tube, Achter, Grigri oder Cinch: welches Sicherungsgerät das richtige ist, sollte jeder Kletterer für sich selbst herausfinden. Wichtig ist, dass man sich die Handhabung der Geräte in einem Kurs von einem geschulten Trainer zeigen lässt. Er hilft auch bei der Auswahl des passenden Sicherungsgerätes.
Die gängigsten Sicherungsgeräte für die Halle sind vermutlich der HMS und der Tube:

  • HMS-Karabiner können zur Sicherung mittels Halbmastwurf verwendet werden. Diese Sicherungsmethode sollte zum Standardrepertoire jedes Kletterers gehören. HMS-Karabiner werden außerdem dazu benötigt, andere Sicherungsgeräte mit dem Gurt zu verbinden. Um ein Aufschrauben während des Sicherns zu verhindern, sollte man einen Karabiner mit Safelock-Verschluss wählen.
  • In den letzten Jahren sieht man immer mehr Kletterer, die mit dem Tube sichern. Die Bremswirkung des Tubes besteht darin, dass das Seil vom Sicherer nach unten gehalten und somit abgeknickt wird. Das Tube ist relativ einfach zu bedienen und kann die klassische „Krangelbildung“ des Seils verhindern. Manche Tubes haben Kerben bzw. eine verschmälerte Öffnung auf einer Seite, so ist die Bremswirkung höher. Zudem gibt es mittlerweile ein Tube mit selbstblockierender Wirkung (nur bei Nachstiegssicherung): das ATC Guide von Black Diamond erlaubt das gleichzeitige Sichern von zwei Nachsteigern am Standplatz.

Mit Kindern ins Gebirge

Kinder lieben die Natur. Bei einer gemeinsamen Bergwanderung haben Sie die Möglichkeit, ihre Umgebung spielerisch mit allen Sinnen zu erforschen. Wichtig dabei: Eltern sollten die Kinder nicht überfordern und ihnen genug Raum zum spielen und entdecken einräumen. Dann steht dem gemeinsamen Bergurlaub nichts im Wege.

Der deutsche Alpenverein hat hierzu die Broschüre „Bergwandern mit Kindern“ herausgebracht (Download unter http://www.alpenverein-bw.de/downloads/dav_faltblatt_bergsteigen_kids.pdf)

Die wichtigsten Tipps und Empfehlungen im Überblick:

1. Vor der Tour

Sorgfältige Planung ist das A und O. Wählen Sie lieber eine tendenziell zu leichte Tour und vergewissern Sie sich anhand einer topographischen Karte oder anhand von Wanderführern, dass Sie über die Eigenheiten des Weges und die Bodenbeschaffenheiten informiert sind.

  • Planen Sie „Entdecker-Zeit“ mit ein. Wenn Kinder ausschließlich hinter den Erwachsenen her laufen, ist schlechte Laune vorprogrammiert. Kinder brauchen Abwechslung und Zeit zum Spielen. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, die Steine am Wegesrand, die Spielwiese oder den Bach zu erkunden und planen Sie die Extrazeit in ihre Tour ein.
  • Treffen Sie gemeinsame Entscheidungen. Es muss nicht immer der Gipfel sein, ein Ausflug zum See oder zur Alm kann für die Kids genauso spannend sein. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, bei der Auswahl der Tour mit zu entscheiden.

2. Während der Tour – wie weit darf’s gehen?

Natürlich sind Leistungs- und Aufnahmefähigkeit von einem 7- und einem 12-Jährigen sehr unterschiedlich. Hier einige Informationen darüber, wie schwer und lang eine Tour für Kinder unterschiedlicher Altersstufen sein sollte.

Kleinkinder (von ein bis drei Jahren), die alleine sitzen können, können problemlos in einer Kindertrage (sogenannten „Kraxe“) transportiert werden. Wichtig ist es, regelmäßige Pausen (mindestens jede Stunde) einzulegen, damit die Kinder sich frei bewegen können. Da die Kinder in der Trage den Temperaturen stark ausgesetzt sind, müssen sie ausreichend vor Unterkühlung, UV-Strahlung oder Hitzschlag geschützt werden. Die maximale Zeit in der Trage sollte 4 Stunden nicht überschreiten.

Vorschulkinder zwischen drei und sechs erschließen sich ihren Weg bereits selbst und sind mit Feuereifer bei der Sache. Längere Erholungspausen und eine abwechslungsreiche Wegführung sind ein Muß, eine maximale Gehzeit von vier Stunden sollte dabei nicht überschritten werden. Meiden Sie ausgesetztes oder absturzgefährdetes Terrain.

Mit zunehmendem Alter steigert sich Kondition und Trittsicherheit. Mit entsprechenden Erholungspausen können Grundschulkinder (sechs bis zehn Jahre) Touren mit bis zu 5 Stunden Gehzeit bewältigen. Mit ein bisschen Übung darf man den Kindern auch ein paar „Kraxelstellen“ oder steilere Passagen zumuten, eine Herausforderung, die gerne angenommen wird. Die Eltern sollten allerdings in der Lage sein, die entsprechende Hilfestellung zu geben.

Bei älteren Kindern (von zehn bis 14) ist in der Regel eine gute Ausdauer vorhanden und die Körperkraft nimmt zu. Touren mit maximal 7 Stunden Gehzeit sollten möglich sein. Unter Umständen wollen die Kids nun auch an ihre Leistungsgrenze gehen, sodass auch Mehrtagestouren mit Hüttenaufenthalt geplant werden können – das sollte man jedoch individuell vom Kind und seinen Wünschen abhängig machen.

3. Wandern ist öde? Von wegen!

Spiele machen jede Wanderung zum Abenteuer. Erfreulicherweise gibt es genug Spiele, die Klein und Groß bei Laune halten und wenig bis gar keiner Vorbereitung bedürfen. Wie wäre es beispielsweise mit

… Sammelspielen? Ein vorab definierter Gegenstand wird unterwegs eingesammelt, z.B. Bucheckern, Tannenzapfen oder Kastanien. Daheim lassen sich aus den gesammelten Schätzen kreative Bilder und lustige Figuren basteln. Oder man setzt sie als Währung ein: für zwei Bucheckern gibt es einen Apfel, für fünf ein Malheft…

… Assoziationsspielen? Von „ich sehe was, was Du nicht siehst“ über Wörterketten bis hin zu „an welches Tier denke ich?“ (zu erraten nur durch Ja- oder Nein-Fragen) gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, die Fantasie während der Wanderung auf Trab zu halten.

… Geocaching? Die moderne Form der Schatzsuche liegt voll im Trend. Wie es geht, was man braucht und wo man Schätze findet, erfährt man auf http://www.geocaching.de/

Buchtipps / Anzeige:

Bildquelle: Familientour / Bayerische Zugspitzbahn Bergbahnen AG

Vom Für und Wider des Klettersteigs

Sich ganz ohne Gefahr im alpinen Gelände bewegen: das versprechen Klettersteige. Zu hunderten entstehen in ganz Europa seit den 70er Jahren neue Klettersteige. Dabei handelt es sich um so genannte Sportklettersteige, bei denen die Bewegung an sich und die Freude am Klettern (Plaisir) zum Selbstzweck ernannt wurden. Doch ist das Gehen am Klettersteig wirklich so ungefährlich, wie es scheint? Und wie stark wird die Umwelt durch den Klettersteig-Boom beeinträchtigt?

Dazu sprach Redakteurin Caroline Opp mit Axel Jentzsch-Rabl, dem Autor zahlreicher Klettersteigführer und Geschäftsführer des Alpinverlages (www.alpinverlag.at)

Denken Sie, dass die Entwicklung von Klettersteigen in den letzten Jahren überhand genommen hat?

Das ist von Land zu Land verschieden. In der Schweiz wurde der Bau ja bereits sehr stark reduziert. Auch in Deutschland sind in den letzten Jahren nur wenige alpine Klettersteige hinzugekommen. Einzig in Österreich wurde der Bau verstärkt: die Seilbahngesellschaften und Tourismusämter forcieren die Entwicklung aus wirtschaftlichen Interessen.

Ist der Bau eines Klettersteiges ein Eingriff in die Natur?

Das lässt sich wohl kaum leugnen. Wo ein neuer Klettersteig entsteht, werden Flora und Fauna beeinträchtigt und müssen unter Umständen weichen. Doch im Vergleich zu anderen Alpinsportarten wie beispielsweise dem Klettern bieten Klettersteige einen entscheidenden Vorteil: Sie kanalisieren den „Verkehr“. Die Klettersteiggeher werden sich immer auf exakt dem gleichen Pfad durch die Berge bewegen, nämlich entlang des Drahtseils – oft werden beim Zu- und Abstieg auch schon bestehende Wanderwege genutzt. Beim Klettern und Bergsteigen dagegen kann es schon passieren, dass Zu- und Abstieg jenseits der Wege stattfinden.

Warum gibt es keine Bestimmungen und Auflagen für den Bau von Klettersteigen?

In der Schweiz gibt es ja bereits das Moratorium von Engelberg. (Anm. der Redaktion: siehe Infokasten) Auch die Österreicher sind meines Wissens an der Entwicklung eines Regelwerkes für den Klettersteigbau in Tirol. Wichtig ist, dass neben umwelttechnischen Auflagen auch Normen für die Sicherheit eines Steiges geschaffen werden. Eine zertifizierte und einheitliche Vorgabe würde den Sport etwas sicherer machen.

Werden durch Klettersteige auch unerfahrene Leute in die Berge gelockt, die dort eigentlich nichts verloren haben?

Möglich ist das schon. Denn die Tatsache, dass ich mich entlang eines dicken Stahlseils bewege, täuscht eine Sicherheit vor, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Ein Sturz in dieses Stahlseil ist meist viel schmerzhafter als in ein elastisches Kletterseil. Dass durch die Klettersteige aber konditionsschwache Menschen angezogen werden, die der sportlichen Herausforderung nicht gewachsen sind, kommt wohl vor. Die Klettersteiggeher informieren sich in der Regel sehr gut vor ihrer Tour. Die meisten Klettersteiggeher bewegen sich auch sonst gerne in ihrer Freizeit und weisen deshalb eine gewisse Trittsicherheit auf.

Ihr persönlicher Lieblings-Klettersteig (und warum)?

Mir persönlich gefällt z.B. der Hochthron Klettersteig am Berchtesgadener Hochthron sehr gut. Dieser Klettersteig ist ein perfekter Mix aus sportlicher Betätigung in der Vertikalen und landschaftlichem Erlebnis beim Zu- und Abstieg.

    Info: Die Charta von Engelberg – Schweizer gehen mit gutem Beispiel voran.
    Nach immerwährendem Konflikt gelang es 2005 in der Schweiz, Beiligte und Betroffene aus Politik, Tourismus, Sport und Naturschutz an einen Tisch zu bringen. Die so entstandene Charta soll als Richtschnur und dringende Empfehlung für den Bau neuer Anlagen betrachtet werden.

    Sie besagt, dass es «ein Nebeneinander von technisch erschlossenen und nicht erschlossenen Gebieten in den Alpen braucht. Die Errichtung von neuen Klettersteigen soll sich deshalb innerhalb gewisser Grenzen bewegen». Neben dem Hinweis, dass Klettersteige bewilligungspflichtige Anlagen sind, empfiehlt die Charta, dass die Anlagen nur in Gebieten mit bereits vorhandenen touristischen Infrastrukturen und nicht im unerschlossenen Hochgebirge errichtet werden sollen. Quelle: www.raonline.ch

Der Fels ruft – Klettern in Deutschland

Die Outdoorsaison ist eröffnet! In den nächsten Monaten können wir die bunten Plastikgriffe aus der Kletterhalle wieder eintauschen – gegen die Kalklöcher in der fränkischen Schweiz, die Sandsteinrisse in der Pfalz oder im Elbsandstein und zahlreiche Nasen, Leisten, Schuppen und Taschen in vielen anderen Gebieten. Wo es sich in Deutschland am schönsten klettert, zeigt nachfolgender Überblick (zumindest als kleine Auswahl):

Fränkische Schweiz

Zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg liegt das Klettermekka „Fränkische Schweiz“. Sie besticht durch griffigen, oftmals löchrigen, hellen Kalkfels. Mit über 7.000 Routen ist sie das am besten erschlossenste Klettergebiet der Welt.

Bereits seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts trafen sich hier Kletterfreunde von nah und fern. Die Extremkletterer Kurt Albert und Wolfgang Güllich verschoben in den 80er Jahren die Grenzen des „Kletterbaren“ im Frankenjura weit nach oben. Viele der bis heute begehrtesten und schwersten Routen der Welt wurden hier erschlossen, wie z.B.:

  • Corona, 11/11+ (noch nicht wiederholt), Erstbegeher Markus Bock (2006)
  • Action Directe, 11, Erstbegeher Wolfgang Güllich (1991)
  • Wallstreet, 11-, Erstbegeher Wolfgang Güllich (1987)
  • Drive by Shooting, 10+/11-, Erstbegeher Michael Ordnung (1995)

Noch ein Grund spricht für einen Ausflug in dieses Klettergebiet: die fränkische Schweiz verfügt über die höchste Brauereidichte der Welt.

Beschaffenheit: Poröser und somit gut strukturierter Kalk. Routen in allen Schwierigkeitsgeraden (3 bis 11).
Besonderheiten: Bunte Blumenwiesen, sprudelnde Bächlein und idyllische Ortschaften: das Frankenland kommt sehr beschaulich daher. So ist es der ideale Ort zum auspannen, hart klettern und genießen.
Weitere Infos: www.frankenjura.com (mit umfangreicher Routendatenbank)

Elbsandsteingebirge

Hier wurde das Klettern erfunden – behaupten zumindest die Sachsen. Auch, wenn sich darüber streiten lässt: das Elbsandsteingebirge ist mit seinen 15.000 unterschiedlichen Wegen, 1.100 Gipfeln und äußerst vielseitiger Klettereien ein absolutes Klettereldorado.

Wer in der sogenannten sächsischen Schweiz klettern will, sollte einige Regeln beachten. Seit jeher gilt hier nämlich das Prinzip des Freien Kletterns mit folgenden Grundsätzen: Um den verhältnismäßig weichen Fels zu schonen, sind mobile Sicherungsgeräte wie Klemmkeile und Friends verboten. Das Erklettern einer Route darf nur mithilfe der natürlichen Gegebenheiten des Felsen, ohne die Fortbewegung an technischen Hilfsmitteln, erfolgen. Eine gewisse Klettererfahrung und Vorstiegsmoral sind anhand spärlich platzierter Haken in jedem Fall zu empfehlen.

Beschaffenheit: Sandstein in den unterschiedlichsten Strukturen – Klüfte, Höhlen, Sanduhren, Kamine, Spalten, Türme etc.
Besonderheiten: Das sächsische Klettern und die damit verbundenen Anforderungen an den Kletterer. Es empfiehlt sich, 1-2 Grade unter dem Leistungshorizont zu klettern.
Weitere Infos: www.gipfelbuch.de oder www.on-sight

Pfalz

Der sogenannte Pfälzerwald wird dominiert von Türmen und Massiven aus beeindruckendem, rot-orangem Buntsandstein. Für den Kletterer von Interesse ist das Pfälzer Wasgau, eine Region, die sich zwischen den Städten Annweiler, Pirmasens und Weißenbach erstreckt. Bereits seit über hundert Jahren wird an den Felsen des Wasgau geklettert; die imposanten Felsformationen erstrecken sich bis zu 60 Meter hoch aus dem Wald.

Auch in der Pfalz gilt es, einige Regeln zu beachten: Unter dem Motto „no footsteps“ werden Kletterer dazu angehalten, sich am Fels und bei der Anreise umweltbewusst zu verhalten. So darf zum Beispiel kein Magnesia verwendet werden.

Beschaffenheit: Die Kletterei im Buntsandstein ist sehr vielseitig und erfordert ein breites Spektrum unterschiedlicher Klettertechniken: Risse, Kamine, Wabenwände, Reibungsplatten, Kiesel-einlagerungen. Leider ist der Sandstein nicht immer fest.
Besonderheiten: Gerade die leichteren Kletterwege stellen oftmals eine besondere mentale Herausforderung dar: sie müssen meist selbst abgesichert werden!
Weitere Infos: www.pfalz-klettern.de

Schwäbische Alb / Donautal

Die Schwäbische Alb verbindet man gern mit Beschaulichkeit, Reihenhäuschenharmonie und gutem Essen. Dass man dort auch hervorragend klettern kann, ist weniger bekannt. Schon vor hundert Jahren wurde in der Region um Tübingen gebouldert.

Die Klettermöglichkeiten der Schwäbischen Alb werden traditionell in fünf Gebiete aufgeteilt: Lenningen (nahe Stuttgart), Urach (Region Ermstal), Blautal (rund um Blaubeuren), Ostalb und das Donautal. Gerade letzteres ist ein wahres Kleinod: hervorragende Felsqualität und eine einzigartige Landschaft überzeugen auch hartgesottene Alpinisten – schließlich finden sich hier die höchsten deutschen Felsen außerhalb der Alpen.

Beschaffenheit: Weißer, harter, griffiger Kalk, ähnlich wie in der Fränkischen Schweiz. Schwäbische Alb und Frankenjura gehören zum selben Gebirgszug, der etwa von Genf bis Hof verläuft.
Besonderheiten: Wie (eigentlich) überall in Deutschland, blieb auch in der Schwäbischen Alb der Konflikt zwischen Kletterern und Naturschützern nicht aus. Viele Felsen sind ganzjährig gesperrt. Im Donautal gelang es, die Interessen beider Seiten in einem „win-win“-Projekt zu vereinen: Vorzeigefelsen für das friedliche Miteinander von Kletter- und Naturfreunden ist der Schaufelsen. Hier wurde die starren Regelungen aufgehoben, stattdessen übernahmen engagierte Kletterer Felspatenschaften.

Tipp der Redaktion:

Von der Halle an den Fels – worauf sollte ich achten?

Die Temperaturen in der Halle werden langsam unerträglich. Als Klettereinsteiger fehlt aber bislang jegliche „Outdoor-Erfahrung“. Wie lassen sich unangenehme Überraschungen beim ersten Kletterausflug ins Freie vermeiden?

  1. Vorstiegs- und Sicherungsroutine. In der Halle das vorsteigen, richtig sichern und stürzen trainieren.
  2. Kletterführer kaufen. Er informiert über Anreise, Anzahl und Art der Kletterfelsen sowie über Länge der Routen und Anzahl der benötigten Zwischensicherungen (Expressen).
  3. Ausreichend Expressen mitnehmen.
  4. Ausreichend langes Seil mitnehmen.
  5. Steinschlaghelm anziehen. Steine und Felsbrocken können sich unter den Füßen des Kletterers lösen und gefährden alle, die unten stehen.
  6. Bequeme Schuhe mit Profil fürs Sichern. Damit beim Sichern die Zehen nicht absterben, empfiehlt sich ein paar bequemer Schuhe. Dabei ist ein gutes Profil wichtig, da der Boden unter den Felsen oft uneben oder rutschig ist.
  7. Im Zweifel fragen. Kletterer sind in der Regel ein kommunikatives und hilfsbereites Völkchen. Wer also unsicher ist oder Zweifel hat, sollte sich ruhig trauen, die kletternden Nachbarn um Rat zu fragen.
  8. Umweltbewusstes Verhalten. Viele Felsen sind im Frühjahr und Sommer aufgrund von Vogelbrut gesperrt. Hier gilt absolutes Kletterverbot. Auch sonst gilt: bitte an die Umwelt denken, Wanderparkplätze nutzen, gemeinsam anreisen und keinen Müll an den Felsen zurücklassen.