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Reisen

Gewinner und Verlierer der Touristikbranche

2. März 2010   |   Autor/ in:


Die angespannte Lage der Tourismusbranche setzt sich auch 2010 fort. Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage ändert sich das Reiseverhalten der Deutschen. Das Geschäftsreise-Segment erleidet starken Einbruch. Rewe ist klarer Gewinner unter den Reiseveranstaltern, der Umsatz im Flugmarkt wächst leicht, von dem Airbus profitiert.

Der Touristikchef der REWE Group, Norbert Fiebig, setzte 2009 trotz Wirtschaftskrise auf Wachstum. Er hat viel riskiert, aber auch viel gewonnen. Während andere Reiseveranstalter kräftig Hotelkapazitäten kürzten und Flugkapazitäten reduzierten, um nur noch hohe Margen mitzunehmen, setzte Rewe auf Wachstum. Der Umsatz des Unternehmens im Reisesektor stieg auf 2,9 Milliarden Euro, was einem Wachstum von fast 2 Prozent einbrachte, während die gesamte Branche im Schnitt fünf Prozent einbüßte. Damit ist REWE hinter TUI auf Platz 2 der dt. Veranstalter und hat Thomas Cook auf die Ränge verwiesen. Das Ziel für 2010 ist klar: Stärkeres Wachstum, hohe Umsatzrendite erwirtschaften und wichtigster Reiseveranstalter vor der TUI werden.

Das Reiseverhalten und die Motivation für eine Reise verändert sich bei den Deutschen 2010 stark. Das eigene Land erfreut sich derzeit größter Beliebtheit. Experten erwarten, dass die Übernachtungszahlen ansteigen, ebenso die Übernachtungsdauer. Auch im Verlagswesen ist dieser Reisetrend spürbar. Die Auflagen für die heimischen Reiseführer steigen deutlich an. Das Interesse der Kunden geht dabei allerdings weg vom allumfassenden, hin zum spezialisierten Werk. Gerade auf bestimmte Regionen oder Städte oder Aktivitäten ausgerichtete Deutschland Reiseführer, wie zum Beispiel Wandern im Bayrischen Wald, finden reißenden Absatz.

Eine weitere Beobachtung ist, dass die Pauschalreise für die anspruchsvollen Reisenden ausgedient hat - Baukastenprinzip heißt die Alternative. Viele potenzielle Urlauber möchten individuelle Extras hinzubuchen, wie zum Beispiel Event-Karten, einen Mietwagen oder gar nur noch ein Element buchen, wie zum Beispiel einen Flug oder nur die Übernachtung im Hotel. Bequemlichkeit steht dabei an erster Stelle. Sehr häufig wird der Gang ins Reisebüro vermieden, weil man fast alles in Ruhe von zu Hause aus im Internet buchen kann. Experten prognostizieren, dass 2015 fast jede dritte Reise nach dem sogenannten Bausteinprinzip gebucht wird, das Doppelte des heutigen Umsatzvolumens.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Der in Deutschland stark fragmentierte Touristikmarkt, der neben den “Großen Drei” TUI, Rewe und Thomas Cook auch von vielen mittelständischen Unternehmen bedient wird, kommt dem Verbraucher zugute. Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft und somit kämpfen die Veranstalter, anders als auf dem TUI und Thomas Cook dominierten UK-Markt, mit günstigen Urlaubsangeboten um die Gunst des Reisenden. Vor allem Flüge können den Reisenden nicht billig genug sein. Das gilt seit Beginn der Krise vor alem auch für Geschäftsreisende. Während Controller den Rotstift ansetzen und Mitarbeiter, wenn überhaupt, dann nur noch in der Economy-Class fliegen lassen kämpfen etablierte Fluggesellschaften wie Lufthansa ums Überleben, da der gewinnträchtige Markt der Business-Class-Flüge wegbricht. Gewinner dieser Umstellung sind vor allem Fluggesellschaften wie Air Berlin. Im niedrigpreisigen Flugsegment bieten mehr Service als Ryanair und sind preiswerter als Lufthansa. Doch das Modell Billigflieger scheint bald nicht mehr realisierbar zu sein. Steigende Treibstoffkosten, höhere Flughafengebühren und erhöhte Kosten für die Flugsicherheit zwingen Fluggesellschaften zu Tariferhöhungen, Sevicepauschalen und Zusatzkosten für Dienste, die bislang kostenfrei waren, wie zum Beispiel für die Aufgabe des Gepäcks ab dem ersten Gepäckstück. Sogar Ryanair wird dadurch auf Strecken wie Berlin - Dublin deutlich teurer, da Ryanair Chef Michael O’Leary erkannt hat, dass Konkurrent Easyjet dadurch deutliche Umsatzzuwächse verzeichnen konnte.

Umsatz im Flugmarkt wächst 2010 trotz Krise

Trotz anhaltender Tourismusflaute wird das Umsatzvolumen im Flugverkehr bis 2015 kontinuierlich wachsen. Experten rechnen mit einem jährlichen Zuwachs von 4 Prozent. Aufgrund des veränderten Reise- und auch Buchungsverhaltens, ist der Flugmarkt eines der lukrativsten Segmente in der Reisebranche, der durch seine Rekordumsätze auch Innovationen fördert. Fluggäste können zukünftig auch lästiges Umsteigen verzichten, das Boeing und Airbus mit neuen und sparsamen Flugzeugtypen ab 2011 mehr Non-Stop-Langstreckenflüge anbieten können. Vor allem Airbus profitiert von den steigenden Umsatzzahlen im Flugmarkt. Das Unternehmen hat 2009 498 Flugzeuge ausgeliefert, 15 Maschinen mehr als die Rekordproduktion 2008 hervorgebracht hat. Airbus gehörte im Krisenjahr 2009 zu den Gewinnern und konnte sich gegenüber dem Konkurrenten Boeing behaupten. Im Jahr 2010 soll die Herstellung des Großraumflugzeug A380 angekurbelt werden. Geplant ist die Auslieferung von 20 Maschinen des Typs A380.  Die Produktion solle im Vergleich zum Vorjahr “verdoppelt” werden, geplant seien 20 Maschinen, während die Bestellungen des “Dreamliners” von Boeing drastisch zurückgehen.


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